Von: Christiane Fasching
Mit einem Riecher für Romantik
Tiroler Tageszeitung, 22. Juni 2009 - Von Tirol nach Niederösterreich: Gregor Bloéb ist der neue Intendant beim Theatersommer Haag. Im TT-Gespräch spricht der Schauspieler über Liebesgedichte, Theaterstrukturen und Castingformate.

Gregor Bloéb bei den Proben zu "Cyrano von Bergerac" - allerdings noch ohne Makel. Mit großer Nasesieht man ihn dannab 1.JUI!. Folo: Kurt Daucher
TT: Im Vorjahr hat Adi Hirschal die Intendanz des Theatersommers Haag an Sie übergeben. Wie gefällt Ihnen die Theaterarbeit in Niederösterreich?
Gregor Bloéb: Die Intendanz ist auf der einen Seite mehr Arbeit, als ich mir vorgestellt habe, aber auf der anderen Seite ist Niederösterreich ein wahnsinnig angenehmes und tolles Pflaster. Die Förderungen durch den Erwin (Pröll, Anm.) sind mehr als anständig - was er kulturell für das Land Niederösterreich macht, ist wirklich großartig.
« Die Tiroler Volksschauspiele Teit haben sich in meinen Augen zu einer recht traurigen Angelegenheit entwickelt.»
Gregor Bloéb
TT: Sie sind bei Landeshauptmann Pröll also schon beim Erwin angelangt?
Bloéb: (lacht). Ja. In dieser Hinsicht gibt's keinen Unterschied zwischen Tirol und Niederösterreich.
TT: Am 1. Juli feiert "Cyrano von Bergerac" mit Ihnen in der Hauptrolle Premiere. Warum gerade dieses Stück?
Bloéb: Auf den "Cyrano" bin ich gemeinsam mit der Dramaturgin Bettina Hering gestoßen, die auch Regie führen wird. In den letzten Jahren wurden in Haag vorwiegend Boulevardstücke gezeigt, und viele Festivals buhlen mit Seitenblickenamen. Mir war es wichtig, mit der Übernahme der Intendanz auch meine künstlerische Handschrift zu zeigen - und deshalb wollte ich zum Theater zurückkehren. Daher haben wir uns auch für die älteste Fassung der "Cyrano"-Übersetzung entschieden, was mit sich bringt, dass niemand auf der Bühne steht, der sein Handwerk nicht beherrscht.
TT: Cyrano hat eine große Nase und ein noch größeres Gefühl für Poesie - das Glück in der Liebe bleibt ihm aber verwehrt. Wie viel Cyrano steckt in Ihnen?
Bloéb: Was diese Definition betrifft - wenig. Ein Außenseiter war ich nie. Aber was den Cyrano auch ausmacht, ist eine unbeschreibliche Ehrlichkeit und Geradlinigkeit. (zitiert aus dem Stück) "Glaubt ihr, ich pass mich an? Nein, niemals. Ihr seid im Rechte, aber ich fechte, fechte, fechte.` Das macht ihn aus - und damit kann ich sehr viel anfangen.
TT: Cyrano wird aus Liebe zum Ghostwriter - wann haben Sie ihr letztes Liebesgedicht geschrieben?
Bloéb: Ich schreibe regelmäßig Liebesgedichte. Mittlerweile sind es allerdings oft Vierzeiler per SMS - zufälligerweise hab ich gerade heute Vormittag eines geschrieben. Ohne Ghostwriter. (lacht)
TT: In der Rolle des Christian ist Mondscheiner-Frontmann Manuel Rubey zu sehen, der Tiroler Harald Windisch verkörpert Graf Guiche - wie kam es zu den Besetzungen?
Bloéb: Man überlegt sich natürlich, wen man für welche Rolle will. Und manchmal scheitert es dann leider an Terminschwierigkeiten oder an der Gagenfrage. Aber bei diesem Stück habe ich alle meine Traumbesetzungen gefunden. Seit dem"Falco"-Film bin ich ein Fan von Marmel Rubey - denn obwohl der Film katastrophal ist, spielt er den Falco grandios. Und der Christian soll ja mehr als nur eine Dumpfbacke sein. Mit Harald Windisch verbindet mich eine Sandkastenfreundschaft aber abgesehen davon, habe ich ihn bei Susi Webers Inszenierung von "Hautnah" ganz großartig gefunden.
TT: Haag ist für Sie als Tiroler nicht der nächste Weg. Hätte es Sie nicht gereizt, in Ihrer Heimat zum Intendanten zu werden? Etwa bei den Tiroler Volksschauspielen in Telfs?
Bloéb: Ich beschäftige mich immer erst dann mit Sachen, wenn ich gefragt werde. Aber die Tiroler Volksschauspiele haben sich in meinen Augen zu einer recht traurigen Angelegenheit entwickelt. Das war einmal ein absolutes Festival, wo Kritiker von Hamburg, Berlin und Zürich angereist sind. Große Schauspieler, Stars gaben sich die Klinke in die Hand. Mittlerweile feiern sie sich nur noch selber mit irgendwelchen Jubiläen und Büchern. Die Struktur, die dort herrscht, ist dermaßen unprofessionell - ich würde das nie aushalten.
TT: Fehlt den Volksschauspielen in Ihren Augen eine Führungspersönlichkeit?
Bloéb: Das weiß ich nicht. Ich glaube nur, dass es einen Intendanten braucht, der die alleinige Verantwortung trägt. Man hat schließlich nicht die Zeit, dauernd mit sechs bis acht Leuten in einem Gremium zu diskutieren. Auf alle Fälle wäre eine Intendanz in Telfs richtig viel Arbeit.
TT: Themenwechsel: Ihr Kollege Til Schweiger, mit dem Sie zuletzt in "Keinohrhasen" und "1½ Ritter"zusammengearbeitet haben, leitet auf RTL gerade die "Xission Hollywood". Wie gefällt Ihnen dieses Format?
Bloéb: Ich habe das genau drei Minuten geschafft, meine Frau (Nina Proll, Anm.) hat es 45 Minuten ausgehalten und sich danach gehasst. Das Format ist typisch RTL und denunzierend für den Schauspielberuf. Man bekommt den Eindruck, der Job hat ausschließlich etwas mit Geilheit zu tun. Das ist wie wenn der FC Tirol seine Spieler nach dem Gemeinschaftsduschen aussucht.
TT: Welche Projekte stehen künftig bei Ihnen an?
Bloéb: Im Sommer drehe ich für Sat. 1 eine Komödie mit Annette Frier und im Herbst machen Nina und ich in Wels eine 20er Jahre Revue mit den "Salonisten".
Theatersommer Haag
Nach sechs Saisonen als Intendant beim Theatersommer Haag übergab Adi Hirschal das Amt im Vorjahr an Gregor Bloéb.
Von 1. Juli bis 9. August wird inmittten der Haager Altstadt der Rostand-Klassiker "Cyrano von Bergerac" gezeigt.
Im Rahmenprogramm namens "Perlenreihe" ist unter anderem Tobias Moretti mit dem Orchester moderntimes_1800 zu sehen.
Infos: www.2009.theatersommer.at
