Von: Bernhard Lichtenberger
Gregor Bloéb hat die Nase vorn
OÖ Nachrichten 3. Juli 2009- Der richtige Riecher bei der Stückwahl, eine gewitzte Regie von Bettina Hering und sein überragendes Spiel als Herzensdichter mit flotter Klinge in „Cyrano von Bergerac“ von Edmond Rostand führten Gregor Bloéb als neuen Intendanten des Theatersommers Haag am Mittwoch zum Triumph.
Der regenschwangere Himmel hatte sich vornehm zurückgehalten, dafür standen die Augen von Gregor Bloéb am Ende unter Wasser, glänzend vor Glück über die klatschende Zuneigung des Publikums, das ihn und sein beherztes Team frenetisch bejubelte.
Der neues Besen hat gut gekehrt. Die öden Dankesanbiederungen aus der Vorzeit schlüpfen jetzt als Fußnoten in einem pfiffigen Prolog unter, der sich als Theater im Theater tarnt, bevor es behände an Wort- und Fechtkunst geht.
Bettina Hering fasst den Vers-Klassiker, den Edmond Rostand 1897 geschrieben hat, ohne Scheu an. Ungeniert baut sie die heimische Popband Mondscheiner als eine Art Zirkuskombo ein, die das romantisch-komödiantische Treiben begleitet, aber auch Figuren, vom Kadetten bis zum Bäcker, übernimmt.
Mit breiter Brust, in der der Geist der Freiheit pocht, und poetischer Zunge, die sich reimend an Liebe, Übermut, Ironie und Abenteuer nährt, beherrscht Gregor Bloéb die braune Bretterbühne, die Paris, Bäckerstube, Klostergarten und Schlachtfeld ist. Der freche Dichter mit der langen Nase, der seine Spötter sticht, wechselt flugs in den Verzagten, der sich zu hässlich findet, um seiner Cousine Roxane die Liebe zu gestehen.
Entzückende Raffinesse
Der Begehrten verleiht Gerti Drassl entzückende Raffinesse, die umgarnt, verlockt, fordert und überlistet. Mondscheiner-Sänger Manuel Rubey hat einige erquickliche Momente als verliebter Christian, der Roxane mit Aussehen, aber nicht mit Verstand beglücken kann.
Als Dritter im Bund der Anbandler trieft Harald Windisch als Graf Guiche vor feiger Arroganz, die dem eigenen Vorteil dient. Das rosarote Wams passt vorzüglich zu seiner lächerlichen Figur.
Sami Loris gibt einen wackeren Freund, Stefan Laczkovics einen ebenso verbundenen Bäcker Ragueneau, der sich mehr nach Dichtkunst als nach Arbeit und Frau verzehrt und sich dabei zu einer kernigen Rap-Einlage hinreißen lässt.
Ohne Kitsch und Klamauk
Es ist einfach wunderbar zu sehen, dass Sommertheater auf einem sprachlich hohen Niveau unterhalten kann, Komödiantik nicht zum Klamauk und Liebesbezeugungen nicht zum verpickten Kitsch verkommen müssen. „Auf seinen Lippen küsst sie meine Worte“, sagt Cyrano. Schöner kann man nicht beschreiben, was einer fühlt, der zusieht, wie er Christian als Leih-Reimer den Weg ans Herz von Roxane geebnet hat.
Diese Inszenierung des „Cyrano von Bergerac“ sticht mit einer ungekünstelten Leichtigkeit, wie sie an Premierenabenden nicht oft herüberkommt. Im Gefecht der vielen Sommertheater hat Bloéb auf jeden Fall die Nase vorn.
Info: Vorstellungen bis 9. August, 07434 / 44600, www.theatersommer.at

