Von: Peter Jarolin
Gut geschüttelt, noch besser gerührt
Kurier, 3. Juli 2009 - Kritik - Rostands "Cyrano von Bergerac" beim Theatersommer Haag
Was ein neuer Intendant alles ausmacht. War früher der Theatersommer Haag doch eher für leichte Schönwetter-Kost bekannt, so ist unter der Intendanz von Gregor Bloeb mit Edmond Rostands "Cyrano von Bergerac" (noch bis 1. August) eine Aufführung zu sehen, die selbst großen Bühnen alle Ehre machen würde.
Und das liegt an mehreren Faktoren. So hat etwa Regisseurin Bettina Hering Rostands Klassiker kräftig in die Moderne geholt, ohne aber das Stück und dessen Poesie zu verraten. Denn es ist ein Spiel im Spiel, was sich da auf der praktikablen Holzbühne samt kleinem Pawlatschen-Theater (Ausstattung: Martin Warth) ereignet. Im Stil der 70er-Jahre sind die Mitglieder der (tollen) Band Mondscheiner kostümiert; wie Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band steuern die Musiker frischen Sound bei, schlüpfen auch in die eine oder andere Rolle. Dazu fungiert der sehr gute Raimund Wallisch - er gibt mehrere Figuren - als eine Art Spielleiter, der mit Mikro die Protagonisten mitunter auch zu einem Interview bittet.
Sehr flott
In Zeitraffer spult Regisseurin Hering die Geschichte rund um den langnasigen, unglücklich liebenden, hervorragend dichtenden und fechtenden Cyrano ab. Hering lässt unnötige Nebenhandlungen weg, reduziert diesen "Cyrano" auf seine Essenz. Da läuft alles flott ab; da gibt es aber genügend Raum für unendlich schöne, fein herausgearbeitete Momente. Rostand heutig, aber dennoch klassisch.
Dass dieser "Cyrano" aber in den Bann zieht, ja am Ende unglaublich berührt, liegt auch an den Darstellern. Allen voran an Intendant Gregor Bloeb, der sichtlich mit Vergnügen bei der Sache ist, der seinem Cyrano viel Tiefgang verleiht. Großartig etwa Bloebs Sterbeszene; feinsinnig sein Schwärmen für die schöne Roxane.
Diese ist bei Gerti Drassl in allerbesten Händen. Drassl zeichnet das Porträt einer anfangs verblendeten, später wissenden Frau, die in ihren stärksten Momenten fast an Brechts "Mutter Courage" erinnert. Exzellent auch (in mehreren Rollen) Cornelia Köndgen; tadellos agiert Manuel Rubey als schöner Christian. Harald Windisch, der starke Sami Loris und Stefan Laczkovics überzeugen ebenfalls.
- Peter Jarolin
Fazit: Ein Klassiker, gut ins Heute geholt
Stück „Cyrano von Bergerac" von Edmond Rostand wurde 1897 uraufgeführt und in der Folge auch mehrfach verfilmt.
Regie Bettina Hering und ihr Team haben das Stück gründlich und sehr klug entstaubt, ohne die Poesie zu zerstören.
Spiel Gregor Bloeb ist ein berührender, vielschichtiger Cyrano, Gerti Drassl eine hinreißende Roxane. Toll die Band Mondscheiner mit Live-Songs.

