< Nur beim Premierenbuffet erlebte Gregor Bloéb eine brotlose Kunst
03.07.2009 19:56 Alter: 7 Jahre
Von: Ewald Baringer

Leichtfüßig, ironisch, zirkushaft: „Cyrano“ mit TV-Star Gregor Bloéb

Neues Volksblatt, 3, Juli 2009 - Premiere: Edmond Rostands romantisch-komödiantisches Drama „Cyrano de Bergerac“ beim Theatersommer in Stadt Haag (NÖ)


Cyrano (Gregor Bloéb) liebt Roxane (Gerti Drassl). Foto: Yasmina Haddad

Einen fulminanten Einstand als neuer Intendant des Theatersommers Haag (Bez. Amstetten) gab Mittwochabend der Tiroler TV-Star Gregor Bloéb: Das Publikum feierte Inszenierung und Ensemble von Edmond Rostands „Cyrano von Bergerac“ mit Standing Ovations — Bloéb selbst in der Titelrolle, Gerti Drassl als Roxane, Popstar Manuel Rubey als Christian und seine Band Mondscheiner als Live-Musiker.

Vieles ist anders als bisher. Das wurde schon klar, als die üblichen Begrüßungen und Bedankungen wie nebenbei in den Spielbeginn integriert waren — als eine Art skurriler Prolog zum Stück, in dem der Titelheld, ein französischer Dichter des 17. Jahrhunderts, unter seiner riesigen Nase leidet. So gewandt wie mit der Feder ist er auch mit dem Degen, so mancher Spötter stirbt im Duell. Nur seiner schönen Cousine Roxane wagt er nicht, seine Liebe zu gestehen. Als sie ihm ihre Zuneigung zu Christian offenbart, unterstützt de Bergerac seinen Regimentskameraden, indem er dessen Liebesgedichte an Roxane schreibt und die Cousine vor dem Zugriff des Grafen Quiche bewahrt.

Das alles spielt sich auf einer nun zur Gänze überdeckten, zweigeteilten Bühne (Martin Warth) ab: Im Obergeschoß agieren die Musiker, zwischendurch als Kadetten im Einsatz, und verleihen dem Geschehen eine leichtfüßige, ironische, zirkushafte Note, als sei Sergeant Pepper's Lonely Hearts Club Band auferstanden. Eher eine Prise Flower Power denn Aristo-Martialik vermittelt auch Harald Windisch als Graf Quiche. Manuel Rubey und Sami Loris sind Bilderbuchfreunde des Protagonisten. Cornelia Köndgen gibt die Duenna, die Bäckersfrau und Mutter Marguerite: Gouvernantenkomik zum Niederknien!

Wie Gerti Drassl die umschwärmte Roxane anlegt, ist ein Erlebnis für sich, mit raffinierter Mädchenhaftigkeit, zärtlichem Spott im Unterton, dem Fordern, Verstehen, Trauern, selbst hier noch mit einem Schuss Schalkhaftigkeit. Bloébs Cyrano will man das Heldentum nicht ganz abnehmen, zu treuherzig und sympathisch scheint er und vermag doch zu berühren in seinem Kampf gegen die Feinde rundum und das Gefühl in ihm selbst. Regisseurin Bettina Hering ist eine vergnügliche, intelligente Interpretation gelungen, ohne Pathos und Deklamation, auch jenseits des Klamauks, lebendig und unmittelbar: So wünscht man sich, so schenkt sich großes Theater.

Vielfältig ist das Rahmenprogramm, das ein Mondscheiner-Konzert (2. August) und drei Matineen beinhaltet, eine davon mit Bloébs Bruder Tobias Moretti (26. Juli).

Am 3./4., 9.—11., 15.—18., 21.—25., 29.—31. Juli; 1. Aug. (20.30 Uhr). Karten (19 bis 49 €): Tel. 07434/44 600—0



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