Von: Florian Krenstetter
Haag: Rostand, "Cyrano de Bergerac"
Krone Wien, 17. Juli 2009 - Mit Wort und Degen
Edmond Rostands Meisterwerk über den Mann mit der überlangen Nase, "Cyrano de Bergerac", besticht durch große Liebesgefühle, liebenswerte Komik und scharfsinnige Wortgefechte. Anlass genug für NeoIntendant Gregor Bloéb, dieses Stück Weltliteratur auf den Hauptplatz von Stadt Haag zu bringen.
Wie man die umfangreiche Verskomödie, Frankreichs meistgespieltes Theaterstück über das Leben, Kämpfen und Dichten des Gascogner Haudegens und Phantasten Cyrano, in den Griff bekommt und für eine kleine Theatergruppe aufbereiten kann, zeigt Regisseurin Bettina Hering in ganz ausgezeichneter Weise. Sie lässt ihre Schauspieler mit mitreißendem Schwung, Witz und Geist der Sprache Cyranos und Rostands versprühen. Und sie streicht die tragisch-traurige Wehmut des Stückes sehr kontrastreich hervor. Musik- und Liedeinlagen (Mondschein Buam), wechselnde Schauplätze und die ebenso kontrastreichen wie fein typisierenden Kostüme (gekonnt: Martin Warth) trugen ihres zu einer erfrischenden, unterhaltsamen, zum Nachdenken anregenden Inszenierung bei.
Gregor Blodb handhabt die Verse so geschickt wie seinen Degen - und verkommt durch die Maske dennoch nie zur Karikatur. Ein facettenreicher Cyrano, der zu amüsieren wie zu rühren imstande ist. Gerti Drassl als wunderschöne Cousine Roxane steht ihm da durch Grazie und Esprit keinesfalls nach.
Körpereinsatz und Humorpower bei den anderen Akteuren (Manuel Rubey, Harald Windisch, Sami Loris, Stefan Laczkovics, Cornelia Köndgen und Raimund Wallisch). Begeisterung herrschte da bei den Zuschauern über diesen auf Herz- und Augenhöhe gebrachten Klassiker.
Theater dieser beeindruckenden und unaufwendigen Art, mit einer so sympathischen und überzeugenden Truppe erlebt man nicht so häufig. Und das Ambiente - der Hauptplatz von Haag - tat das Seine, um gute Atmosphäre aufkommen zu lassen. Hinfahren, anschauen!
